Hygiene

Hygienische Händedesinfektion in der Arztpraxis: So geht sie richtig

Händedesinfektion ist die wichtigste Einzelmaßnahme gegen die Übertragung von Erregern in der Praxis. Was die KRINKO empfiehlt, worauf es bei Menge, Einwirkzeit und Technik ankommt – und welche Fehler im Alltag am häufigsten passieren.

PR Praxis Versorger 7. Oktober 2026 3 Min. Lesezeit
30 Sek.
Einwirkzeit hygienische Händedesinfektion
Herstellerangabe beachten
3 ml
Mindestmenge pro Anwendung
eine Hohlhand voll
5
Momente der Händehygiene
WHO-Modell
VAH
gelistete Präparate verwenden
Desinfektionsmittel-Liste

Kaum eine Maßnahme in der Praxis ist so einfach – und wird im Alltag so oft unsauber ausgeführt – wie die Händedesinfektion. Dabei gilt sie seit Jahrzehnten als wichtigste Einzelmaßnahme, um die Übertragung von Krankheitserregern zwischen Patientinnen, Patienten und Praxisteam zu verhindern. Dieser Beitrag fasst zusammen, was die Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert Koch-Institut vorgibt und wie Sie die Vorgaben praxistauglich umsetzen.

Warum Händedesinfektion die wichtigste Hygienemaßnahme ist

Die Hände des Personals sind der häufigste Übertragungsweg für Erreger in medizinischen Einrichtungen. Jeder Kontakt mit Patienten, Oberflächen oder Material kann Keime auf die Haut bringen, die beim nächsten Kontakt weitergegeben werden. Die hygienische Händedesinfektion mit einem alkoholischen Präparat reduziert diese transiente Flora innerhalb von Sekunden deutlich – zuverlässiger und hautschonender als Händewaschen mit Seife.

Grundlage für Arztpraxen ist die KRINKO-Empfehlung „Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens“ (2016). Sie beschreibt Indikationen, Technik und organisatorische Voraussetzungen – und ist Bestandteil jedes Hygieneplans.

Die 5 Momente der Händehygiene

Die Weltgesundheitsorganisation hat die Indikationen in fünf einprägsamen Momenten zusammengefasst. Sie gelten in der Praxis genauso wie in der Klinik:

  1. Vor Patientenkontakt – etwa vor der Untersuchung, dem Blutdruckmessen oder dem Anlegen eines Verbands.
  2. Vor aseptischen Tätigkeiten – zum Beispiel vor Injektionen, Blutentnahmen oder dem Wechsel eines Wundverbands.
  3. Nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material – Blut, Sekrete, Ausscheidungen, kontaminierte Instrumente – auch wenn Handschuhe getragen wurden.
  4. Nach Patientenkontakt – bevor Sie den nächsten Raum oder den Tresen betreten.
  5. Nach Kontakt mit der Patientenumgebung – Liege, Stuhl, Türgriff, Geräte im direkten Umfeld.

So funktioniert die hygienische Händedesinfektion

Die Technik ist unkompliziert, entscheidend sind Menge und Zeit:

  1. Trockene Hände. Restfeuchte verdünnt das Präparat und verlängert die Einwirkzeit.
  2. Ausreichend Mittel. Etwa 3 ml – eine Hohlhand voll – aus dem Spender in die trockene Hand geben.
  3. Alle Flächen benetzen. Handflächen, Handrücken, Fingerzwischenräume, Daumen, Fingerkuppen und Nagelfalze gezielt einreiben.
  4. 30 Sekunden einwirken lassen. Die Hände müssen die gesamte Zeit feucht bleiben; die genaue Einwirkzeit steht auf dem Produkt.
  5. Nicht abtrocknen. Das Präparat verdunstet von selbst.

Händewaschen oder desinfizieren?

Beides hat seinen Platz – aber nicht beliebig austauschbar. Die Übersicht zeigt, wann welche Maßnahme angezeigt ist:

Situation Maßnahme Hinweis
Routine vor und nach Patientenkontakt Händedesinfektion Standard im Praxisalltag
Sichtbare Verschmutzung Waschen, trocknen, dann desinfizieren Erst Schmutz entfernen, sonst wirkt das Präparat nicht zuverlässig
Nach dem Toilettengang Waschen und desinfizieren Beide Schritte gehören zusammen
Verdacht auf Clostridioides difficile Desinfizieren und zusätzlich waschen Sporen werden von Alkohol nicht erfasst
Noroviren im Umlauf Präparat mit nachgewiesener Wirksamkeit Mindestens „begrenzt viruzid PLUS“ wählen

Hautschutz und Hautpflege nicht vergessen

Gesunde Haut ist Voraussetzung für wirksame Händehygiene – rissige oder entzündete Haut lässt sich nicht sicher desinfizieren und ist selbst ein Keimreservoir. Deshalb gehört zu jedem Hygieneplan ein Hautschutzplan: Hautschutzcreme vor der Arbeit, Pflege in Pausen und nach Dienstende, parfümfreie und rückfettende Präparate. Wer konsequent desinfiziert statt wäscht, tut der Haut dabei den größten Gefallen.

Händedesinfektion scheitert selten am Wissen – sie scheitert an zu wenig Mittel, zu wenig Zeit und zu weit entfernten Spendern.

Typische Fehler im Praxisalltag

  • Zu wenig Präparat: Die Hände sind nach zehn Sekunden trocken – die Einwirkzeit wurde nicht erreicht.
  • Ausgelassene Stellen: Daumen, Fingerkuppen und Nagelfalze werden am häufigsten vergessen.
  • Handschuhe als Ersatz: Handschuhe ersetzen die Desinfektion nicht – vor dem Anziehen und nach dem Ausziehen wird desinfiziert.
  • Schmuck und Nägel: Ringe, Uhren, Armbänder sowie künstliche oder lackierte Nägel sind in Bereichen mit Händedesinfektion laut TRBA 250 nicht zulässig.
  • Spender am falschen Ort: Fehlt der Spender am Point of Care, wird die Desinfektion übersprungen. In jedem Behandlungsraum gehört ein Spender in Griffweite.

Checkliste für die Praxis

  • Hygieneplan mit Hautschutzplan vorhanden und für alle Mitarbeitenden zugänglich
  • Nur Präparate aus der Desinfektionsmittel-Liste des Verbunds für Angewandte Hygiene (VAH) im Einsatz
  • Spender in jedem Behandlungsraum, am Labor- und Anmeldebereich – ellenbogen- oder sensorgesteuert, regelmäßig befüllt und gereinigt
  • Kittelflaschen für Hausbesuche und Situationen ohne Spender
  • Jährliche Unterweisung des Teams, dokumentiert
  • Hautschutz- und Pflegeprodukte frei zugänglich

Mit diesen Grundlagen ist die Händehygiene in Ihrer Praxis auf sicherem Stand. Die passenden Präparate, Spender und Pflegeprodukte finden Sie im Sortiment von Praxis Versorger – auf Wunsch stellen wir Ihnen gern eine Grundausstattung für Ihre Praxisräume zusammen.

Häufige Fragen

Die wichtigsten Antworten auf einen Blick.

Wie lange muss die Händedesinfektion einwirken? +
In der Regel 30 Sekunden – maßgeblich ist die Herstellerangabe des Präparats. Wichtig: Die Hände müssen während der gesamten Einwirkzeit feucht bleiben. Trocknen sie vorher ab, war die Menge zu gering.
Wie viel Desinfektionsmittel brauche ich pro Anwendung? +
So viel, dass beide Hände vollständig benetzt sind – im Praxisalltag etwa 3 ml, also eine Hohlhand voll. Zu wenig Mittel ist einer der häufigsten Anwendungsfehler.
Händewaschen oder desinfizieren – was ist im Praxisalltag richtig? +
Standard ist die Händedesinfektion: Sie ist wirksamer und schont die Haut besser als häufiges Waschen. Gewaschen wird bei sichtbarer Verschmutzung, nach dem Toilettengang und zusätzlich bei Erregern wie Clostridioides difficile, deren Sporen von Alkohol nicht erfasst werden.
Darf ich mit Ringen, Uhr oder lackierten Nägeln am Patienten arbeiten? +
Nein. Die TRBA 250 verlangt in Bereichen mit Händedesinfektion schmuckfreie Hände und Unterarme. Künstliche und lackierte Fingernägel sind nicht zulässig, weil sie die Desinfektion behindern und Keime beherbergen können.
Was tun bei trockener oder gereizter Haut durch häufige Desinfektion? +
Hautschutz vor der Arbeit, Hautpflege in Pausen und nach Dienstende – geregelt im Hautschutzplan der Praxis. Außerdem: desinfizieren statt waschen, parfümfreie Präparate bevorzugen und Hände vor dem Desinfizieren vollständig trocknen lassen.