Wer eine Praxis gründet oder übernimmt, hat in den Wochen vor dem Start hundert Themen gleichzeitig: Zulassung, Personal, Software, Räume. Das Verbrauchsmaterial kommt dabei oft zuletzt – und fehlt dann am ersten Tag. Diese Checkliste fasst zusammen, welche sechs Bereiche zur Grundausstattung gehören, was in die Erstbestellung muss und wie Sie die Nachbestellung von Anfang an so organisieren, dass sie später nur Minuten kostet.
Bereich 1: Hygiene
Die Hygieneausstattung steht an erster Stelle, weil ohne sie kein Patient behandelt werden darf. Für jeden Behandlungsraum, das Labor und die Anmeldung:
- Händedesinfektionsmittel (VAH-gelistet) in Spenderflaschen, dazu Kittelflaschen für Hausbesuche
- Wandspender, ellenbogen- oder sensorgesteuert, in jedem Raum in Griffweite
- Flächendesinfektion als Konzentrat mit Dosierhilfe plus gebrauchsfertige Tücher für die Zwischendesinfektion
- Untersuchungshandschuhe (Nitril) in drei Größen, sterile Handschuhe für Eingriffe
- Mund-Nasen-Schutz, Schutzbrillen, Einmalschürzen
- Hautschutz- und Hautpflegecreme laut Hautschutzplan
- Kanülenabwurfbehälter in jedem Raum, in dem gespritzt oder Blut entnommen wird
- Flüssigseife, Papierhandtücher, Abfallbeutel in zwei Farben (Hausmüll, kontaminierter Abfall)
Bereich 2: Verbrauchsmaterial für die Behandlung
- Einmalspritzen in 2, 5, 10 und 20 ml, Kanülen in den gängigen Größen, Sicherheitskanülen für die Blutentnahme
- Blutentnahmesysteme und Röhrchen passend zum Labor, Stauschlauch, Tupfer, Pflaster
- Mullkompressen steril und unsteril, Fixierbinden, Verbandpäckchen, Wundauflagen
- Wundpflaster, Fixierpflaster, Klammerpflaster, elastische Binden
- Liegenpapier, Einmalhandtücher, Zellstofftupfer
- Mundspatel, Einmalspekula, Abstrichbestecke, Urinbecher
- Ultraschallgel, EKG-Elektroden, Leitfähigkeitsspray
Bereich 3: Diagnostik und Geräte
Die Grundausstattung an Diagnostikgeräten hängt von der Fachrichtung ab. Für eine hausärztliche Praxis gehören dazu:
| Gerät | Anzahl (Richtwert) | Hinweis |
|---|---|---|
| Blutdruckmessgerät mit Manschetten in drei Größen | 1 pro Behandlungsraum | Kinder-, Standard- und Großmanschette |
| Stethoskop | 1 pro Behandelnde(r) | plus Reserve |
| Otoskop / Ophthalmoskop | 1 pro Behandlungsraum | mit Einmal-Ohrtrichtern |
| Thermometer, Pulsoxymeter | 1 pro Raum | Schutzhüllen bevorraten |
| EKG, Lungenfunktion, Ultraschall | nach Leistungsspektrum | Verbrauchsmaterial gleich mitplanen |
| Blutzucker-, Urin-, Schnelltests | nach Leistungsspektrum | Kühlschrank mit Temperaturkontrolle |
Bereich 4: Notfallausstattung
Jede Praxis braucht eine Notfallausstattung, deren Inhalt und Prüfintervalle die Praxisleitung festlegt und dokumentiert. Zum Grundstock gehören Notfallkoffer oder -rucksack mit Beatmungsbeutel und Masken, Absaugung, Sauerstoff mit Flowmeter, Infusionsbesteck, Notfallmedikamente nach ärztlicher Vorgabe, Pulsoxymeter und Blutdruckmessgerät. Viele Praxen ergänzen einen automatisierten externen Defibrillator (AED). Wichtig: Haltbarkeitsdaten im Koffer gehören in die monatliche Kontrolle.
Bereich 5: Praxisorganisation
- Rezeptvordrucke, Überweisungs- und AU-Formulare, Privatrezepte
- Terminplaner oder Praxissoftware, Etiketten und Patientenaufkleber
- Praxisstempel, Dokumentationsvorlagen für Hygiene- und Geräteprüfungen
- Beschilderung, Hinweise zu Datenschutz und Notfall
Bereich 6: Lager und Nachbestellung
Die beste Erstbestellung nützt wenig, wenn nach vier Wochen die Handschuhe ausgehen. Legen Sie deshalb vom ersten Tag an fest:
- Feste Lagerplätze mit Beschriftung – jeder Artikel hat einen Ort, jeder Ort einen Artikel.
- Mindestbestände – als Faustregel der Verbrauch von zwei Wochen; wird er erreicht, wird bestellt.
- Ein Bestellstamm – eine Liste aller regelmäßig benötigten Artikel mit Artikelnummer, Packungsgröße und Lieferant. Nachbestellen heißt dann: Liste durchgehen, Mengen eintragen, absenden.
- Eine Verantwortliche – meist eine MFA – mit Vertretung.
- Monatliche Kontrolle von Haltbarkeitsdaten und Kühlschranktemperatur.
Eine Praxis, die ihren Bestellstamm pflegt, bestellt in zehn Minuten – eine Praxis ohne Liste sucht jedes Mal von vorn.
Sprechstundenbedarf getrennt planen
Nicht alles, was in der Praxis verbraucht wird, ist Praxisbedarf. Mittel, die bei mehr als einem Patienten oder im Notfall eingesetzt werden – etwa bestimmte Verbandmittel, Spritzen oder Infusionslösungen – können als Sprechstundenbedarf (SSB) über die Kassenärztliche Vereinigung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung bezogen werden. Welche Artikel dazu gehören und wie die Bestellung läuft, regelt die Sprechstundenbedarfsvereinbarung Ihrer KV. Praxisbedarf und SSB sollten deshalb von Anfang an in getrennten Listen geführt werden.
Checkliste zum Abhaken
- Hygiene: Händedesinfektion, Spender, Flächendesinfektion, Handschuhe, Abwurfbehälter
- Behandlung: Spritzen, Kanülen, Blutentnahme, Kompressen, Pflaster, Liegenpapier
- Diagnostik: Blutdruck, Stethoskop, Otoskop, Thermometer, Pulsoxymeter, Schnelltests
- Notfall: Koffer, Beatmung, Sauerstoff, Medikamente, ggf. AED – Prüfplan dokumentiert
- Organisation: Formulare, Stempel, Etiketten, Dokumentationsvorlagen
- Lager: Lagerplätze, Mindestbestände, Bestellstamm, Verantwortliche
Praxis Versorger stellt Ihnen auf Wunsch eine Erstausstattung passend zu Ihrer Fachrichtung zusammen – geliefert aus dem Lager in Sauerlach bei München, mit Staffelpreisen für die regelmäßige Nachbestellung.
Häufige Fragen
Die wichtigsten Antworten auf einen Blick.






