Praxisorganisation

Praxisbedarf-Grundausstattung: Checkliste für Praxisgründung und Praxisübernahme

Von Händedesinfektion bis Notfallkoffer: Welche sechs Bereiche zur Grundausstattung einer Arztpraxis gehören, was in der Erstbestellung nicht fehlen darf und wie Sie Nachbestellungen von Anfang an organisieren.

PR Praxis Versorger 23. September 2026 3 Min. Lesezeit
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Bereiche der Grundausstattung
Checkliste im Beitrag
2–4 Wo.
Vorlauf für die Erstbestellung
vor dem ersten Patienten
1 Liste
zentraler Bestellstamm
Nachbestellung in Minuten
SSB
getrennt vom Praxisbedarf
eigene Bestellwege

Wer eine Praxis gründet oder übernimmt, hat in den Wochen vor dem Start hundert Themen gleichzeitig: Zulassung, Personal, Software, Räume. Das Verbrauchsmaterial kommt dabei oft zuletzt – und fehlt dann am ersten Tag. Diese Checkliste fasst zusammen, welche sechs Bereiche zur Grundausstattung gehören, was in die Erstbestellung muss und wie Sie die Nachbestellung von Anfang an so organisieren, dass sie später nur Minuten kostet.

Bereich 1: Hygiene

Die Hygieneausstattung steht an erster Stelle, weil ohne sie kein Patient behandelt werden darf. Für jeden Behandlungsraum, das Labor und die Anmeldung:

  • Händedesinfektionsmittel (VAH-gelistet) in Spenderflaschen, dazu Kittelflaschen für Hausbesuche
  • Wandspender, ellenbogen- oder sensorgesteuert, in jedem Raum in Griffweite
  • Flächendesinfektion als Konzentrat mit Dosierhilfe plus gebrauchsfertige Tücher für die Zwischendesinfektion
  • Untersuchungshandschuhe (Nitril) in drei Größen, sterile Handschuhe für Eingriffe
  • Mund-Nasen-Schutz, Schutzbrillen, Einmalschürzen
  • Hautschutz- und Hautpflegecreme laut Hautschutzplan
  • Kanülenabwurfbehälter in jedem Raum, in dem gespritzt oder Blut entnommen wird
  • Flüssigseife, Papierhandtücher, Abfallbeutel in zwei Farben (Hausmüll, kontaminierter Abfall)

Bereich 2: Verbrauchsmaterial für die Behandlung

  • Einmalspritzen in 2, 5, 10 und 20 ml, Kanülen in den gängigen Größen, Sicherheitskanülen für die Blutentnahme
  • Blutentnahmesysteme und Röhrchen passend zum Labor, Stauschlauch, Tupfer, Pflaster
  • Mullkompressen steril und unsteril, Fixierbinden, Verbandpäckchen, Wundauflagen
  • Wundpflaster, Fixierpflaster, Klammerpflaster, elastische Binden
  • Liegenpapier, Einmalhandtücher, Zellstofftupfer
  • Mundspatel, Einmalspekula, Abstrichbestecke, Urinbecher
  • Ultraschallgel, EKG-Elektroden, Leitfähigkeitsspray

Bereich 3: Diagnostik und Geräte

Die Grundausstattung an Diagnostikgeräten hängt von der Fachrichtung ab. Für eine hausärztliche Praxis gehören dazu:

Gerät Anzahl (Richtwert) Hinweis
Blutdruckmessgerät mit Manschetten in drei Größen 1 pro Behandlungsraum Kinder-, Standard- und Großmanschette
Stethoskop 1 pro Behandelnde(r) plus Reserve
Otoskop / Ophthalmoskop 1 pro Behandlungsraum mit Einmal-Ohrtrichtern
Thermometer, Pulsoxymeter 1 pro Raum Schutzhüllen bevorraten
EKG, Lungenfunktion, Ultraschall nach Leistungsspektrum Verbrauchsmaterial gleich mitplanen
Blutzucker-, Urin-, Schnelltests nach Leistungsspektrum Kühlschrank mit Temperaturkontrolle

Bereich 4: Notfallausstattung

Jede Praxis braucht eine Notfallausstattung, deren Inhalt und Prüfintervalle die Praxisleitung festlegt und dokumentiert. Zum Grundstock gehören Notfallkoffer oder -rucksack mit Beatmungsbeutel und Masken, Absaugung, Sauerstoff mit Flowmeter, Infusionsbesteck, Notfallmedikamente nach ärztlicher Vorgabe, Pulsoxymeter und Blutdruckmessgerät. Viele Praxen ergänzen einen automatisierten externen Defibrillator (AED). Wichtig: Haltbarkeitsdaten im Koffer gehören in die monatliche Kontrolle.

Bereich 5: Praxisorganisation

  • Rezeptvordrucke, Überweisungs- und AU-Formulare, Privatrezepte
  • Terminplaner oder Praxissoftware, Etiketten und Patientenaufkleber
  • Praxisstempel, Dokumentationsvorlagen für Hygiene- und Geräteprüfungen
  • Beschilderung, Hinweise zu Datenschutz und Notfall

Bereich 6: Lager und Nachbestellung

Die beste Erstbestellung nützt wenig, wenn nach vier Wochen die Handschuhe ausgehen. Legen Sie deshalb vom ersten Tag an fest:

  1. Feste Lagerplätze mit Beschriftung – jeder Artikel hat einen Ort, jeder Ort einen Artikel.
  2. Mindestbestände – als Faustregel der Verbrauch von zwei Wochen; wird er erreicht, wird bestellt.
  3. Ein Bestellstamm – eine Liste aller regelmäßig benötigten Artikel mit Artikelnummer, Packungsgröße und Lieferant. Nachbestellen heißt dann: Liste durchgehen, Mengen eintragen, absenden.
  4. Eine Verantwortliche – meist eine MFA – mit Vertretung.
  5. Monatliche Kontrolle von Haltbarkeitsdaten und Kühlschranktemperatur.
Eine Praxis, die ihren Bestellstamm pflegt, bestellt in zehn Minuten – eine Praxis ohne Liste sucht jedes Mal von vorn.

Sprechstundenbedarf getrennt planen

Nicht alles, was in der Praxis verbraucht wird, ist Praxisbedarf. Mittel, die bei mehr als einem Patienten oder im Notfall eingesetzt werden – etwa bestimmte Verbandmittel, Spritzen oder Infusionslösungen – können als Sprechstundenbedarf (SSB) über die Kassenärztliche Vereinigung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung bezogen werden. Welche Artikel dazu gehören und wie die Bestellung läuft, regelt die Sprechstundenbedarfsvereinbarung Ihrer KV. Praxisbedarf und SSB sollten deshalb von Anfang an in getrennten Listen geführt werden.

Checkliste zum Abhaken

  • Hygiene: Händedesinfektion, Spender, Flächendesinfektion, Handschuhe, Abwurfbehälter
  • Behandlung: Spritzen, Kanülen, Blutentnahme, Kompressen, Pflaster, Liegenpapier
  • Diagnostik: Blutdruck, Stethoskop, Otoskop, Thermometer, Pulsoxymeter, Schnelltests
  • Notfall: Koffer, Beatmung, Sauerstoff, Medikamente, ggf. AED – Prüfplan dokumentiert
  • Organisation: Formulare, Stempel, Etiketten, Dokumentationsvorlagen
  • Lager: Lagerplätze, Mindestbestände, Bestellstamm, Verantwortliche

Praxis Versorger stellt Ihnen auf Wunsch eine Erstausstattung passend zu Ihrer Fachrichtung zusammen – geliefert aus dem Lager in Sauerlach bei München, mit Staffelpreisen für die regelmäßige Nachbestellung.

Häufige Fragen

Die wichtigsten Antworten auf einen Blick.

Was ist der Unterschied zwischen Praxisbedarf und Sprechstundenbedarf? +
Praxisbedarf kauft die Praxis selbst – Handschuhe, Desinfektion, Liegenpapier, Büromaterial. Sprechstundenbedarf (SSB) sind Mittel, die bei mehr als einem Patienten oder im Notfall angewendet werden und über die Kassenärztliche Vereinigung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung bezogen werden. Welche Artikel SSB-fähig sind, regelt die jeweilige Sprechstundenbedarfsvereinbarung.
Wie viel Vorlauf braucht die Erstbestellung? +
Planen Sie zwei bis vier Wochen vor dem ersten Patienten. So bleibt Zeit für Lieferung, Einräumen, Kennzeichnung der Lagerplätze und das Nachbestellen von Artikeln, die in der ersten Runde vergessen wurden.
Welche Mindestbestände sind sinnvoll? +
Als Faustregel: Verbrauch von zwei Wochen als Mindestbestand, Bestellung bei Erreichen dieser Grenze. Für Artikel mit langer Lieferzeit oder hohem Verbrauch – Handschuhe, Desinfektion, Kanülen – lohnt ein größerer Puffer und ein Lieferant mit kurzen Wegen.
Was gehört in den Notfallkoffer einer Hausarztpraxis? +
Mindestens: Beatmungsbeutel mit Masken, Absaugung, Sauerstoff, Notfallmedikamente nach Vorgabe der Praxisleitung, Infusionsbesteck, Blutzuckermessgerät, Pulsoxymeter, Blutdruckmessgerät, Stethoskop. Viele Praxen ergänzen einen automatisierten externen Defibrillator (AED). Inhalt und Prüfintervalle legt der Praxisinhaber fest und dokumentiert sie.
Lohnt sich ein regionaler Lieferant? +
Ja, vor allem bei Verbrauchsmaterial mit hohem Umschlag. Kurze Lieferwege bedeuten schnellere Nachlieferung, weniger Lagerfläche in der Praxis und einen Ansprechpartner, der die Praxis kennt. Praxis Versorger beliefert Praxen in München und Oberbayern aus dem Lager in Sauerlach.