Einmalhandschuhe gehören zu den meistbestellten Artikeln jeder Arztpraxis – und zu denen, bei denen am häufigsten am falschen Ende gespart wird. Ein Handschuh, der reißt, nicht passt oder eine Allergie auslöst, kostet mehr als der Preisunterschied zum passenden Produkt. Dieser Beitrag erklärt die drei gängigen Materialien, die Norm dahinter und worauf Praxen bei Auswahl, Einsatz und Lagerung achten sollten.
Die Norm: EN 455 und der AQL-Wert
Medizinische Einmalhandschuhe müssen die Normenreihe EN 455 erfüllen. Sie regelt in vier Teilen die Dichtheit (Teil 1), die physikalischen Eigenschaften wie Reißfestigkeit (Teil 2), die biologische Sicherheit inklusive Latexproteingehalt (Teil 3) und die Haltbarkeit (Teil 4). Die wichtigste Kennzahl für den Praxisalltag ist der AQL (Acceptable Quality Level): Er beschreibt, wie viele Handschuhe einer Charge bei der Dichtheitsprüfung höchstens undicht sein dürfen. Für medizinische Handschuhe gilt ein AQL von höchstens 1,5; Produkte mit AQL 1,0 oder 0,65 sind entsprechend dichter und für Tätigkeiten mit hohem Infektionsrisiko die bessere Wahl.
Nitril, Latex, Vinyl im Vergleich
| Kriterium | Nitril | Latex | Vinyl |
|---|---|---|---|
| Material | synthetischer Kautschuk | Naturkautschuk | Weich-PVC |
| Reißfestigkeit | hoch | hoch | gering |
| Tastgefühl | gut | sehr gut | mäßig |
| Allergierisiko | gering | Latexallergie Typ I möglich | gering |
| Chemikalienbeständigkeit | gut | mäßig | gering |
| Geeignet für | Untersuchung, Blutentnahme, Verbandwechsel, Desinfektion | feinmotorische Tätigkeiten ohne Allergierisiko | kurze Tätigkeiten ohne Infektionsrisiko |
Für die meisten Praxen ist Nitril heute der Standard: reißfest, beständig gegen Desinfektionsmittel und frei von Latexproteinen. Latex bleibt wegen seiner Elastizität bei feinmotorischen Tätigkeiten beliebt, setzt aber voraus, dass weder Team noch Patient allergisch reagieren. Vinyl ist günstig, aber weniger dicht und wenig dehnbar – für Blutentnahme oder Wundversorgung nicht geeignet.
Wann Handschuhe Pflicht sind
Die Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe TRBA 250 verlangt Schutzhandschuhe überall dort, wo Kontakt mit Blut, Sekreten, Ausscheidungen, Schleimhaut oder nicht intakter Haut möglich ist – also bei Blutentnahme, Injektion, Wundversorgung, Abstrichen, beim Umgang mit kontaminierten Instrumenten und bei der Flächendesinfektion. Nicht nötig sind Handschuhe beim Blutdruckmessen, beim Gespräch oder am Tresen: Dort schaden sie sogar, weil sie ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen und die Händedesinfektion verdrängen.
Handschuhe richtig einsetzen
- Vorher desinfizieren. Handschuhe werden nur über desinfizierte, trockene Hände gezogen.
- Ein Paar pro Patient und Tätigkeit. Zwischen Blutentnahme und Verbandwechsel am selben Patienten werden die Handschuhe gewechselt.
- Nicht desinfizieren und weiterverwenden. Alkohol macht das Material porös; Einmalhandschuhe sind nach dem Ausziehen verbraucht.
- Richtig ausziehen. Den ersten Handschuh am Bund greifen und abstreifen, den zweiten mit der bloßen Hand von innen fassen – so bleibt die Außenseite außen.
- Nachher desinfizieren. Mikroperforationen und das Ausziehen kontaminieren die Hände.
Ein Handschuh schützt den Patienten vor der Hand – und die Hand vor dem Patienten. Beides nur, wenn vorher und nachher desinfiziert wird.
Passform und Puder
Ein Handschuh, der zu groß ist, rutscht und reißt am Fingeransatz; ein zu kleiner ermüdet die Hand und reißt am Bund. Praxen sollten mindestens drei Größen vorhalten – je nach Team S bis XL. Gepuderte Handschuhe sind in der Praxis nicht mehr zeitgemäß: Das Puder reizt die Haut, verteilt Latexproteine in der Luft und kann Wunden kontaminieren. Puderfreie Varianten sind heute Standard.
Lagerung und Haltbarkeit
Einmalhandschuhe altern durch Licht, Wärme und Ozon. Boxen gehören deshalb in trockene, kühle Schränke, nicht auf die Fensterbank oder neben den Heizkörper. Die Spenderbox am Arbeitsplatz wird mit dem ältesten Bestand zuerst befüllt (First in, first out), und das Haltbarkeitsdatum auf der Box wird bei der monatlichen Lagerkontrolle geprüft. Nitril verträgt Lagerung deutlich besser als Latex.
Checkliste für die Praxis
- Untersuchungshandschuhe nach EN 455, AQL ≤ 1,5, puderfrei
- Nitril als Standard; Latex nur, wenn Allergiefreiheit im Team und bei Patienten sichergestellt ist
- Mindestens drei Größen am Behandlungsplatz
- Sterile Handschuhe für Eingriffe und aseptische Tätigkeiten separat bevorraten
- Spenderboxen in Griffweite, aber geschützt vor Spritzwasser und Sonne
- Desinfektionsspender direkt daneben – Handschuhwechsel ohne Händedesinfektion ist keine Hygiene
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Häufige Fragen
Die wichtigsten Antworten auf einen Blick.






