Die Händehygiene ist die wichtigste Einzelmaßnahme gegen Erregerübertragung – aber Hände berühren Flächen. Liegen, Arbeitsflächen, Türgriffe und Gerätebedienfelder werden im Praxisalltag dutzendfach angefasst und sind damit ein Umschlagplatz für Keime. Dieser Beitrag erklärt, welche Flächen wie oft desinfiziert werden, warum die Wischdesinfektion der Standard ist und wie ein Reinigungs- und Desinfektionsplan die Arbeit im Team verlässlich macht.
Welche Flächen überhaupt desinfiziert werden müssen
Entscheidend ist nicht die Fläche an sich, sondern wie oft sie mit Händen oder Haut in Kontakt kommt. Die Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) unterscheidet deshalb:
- Patientennahe Flächen mit häufigem Hand- und Hautkontakt – Untersuchungsliegen, Arbeits- und Ablageflächen im Behandlungsraum, Türgriffe, Lichtschalter, Bedienfelder von EKG, Ultraschall oder Blutdruckmessgerät, Tastatur und Maus am Behandlungsplatz. Diese Flächen werden routinemäßig desinfizierend gereinigt – mindestens täglich sowie nach jeder sichtbaren Kontamination.
- Flächen ohne direkten Patientenkontakt – Fußböden, Wände, Fensterbänke. Hier reicht in der Regel die Reinigung; desinfiziert wird gezielt nach Kontamination mit Blut, Sekreten oder Ausscheidungen.
- Flächen in Funktionsbereichen – Labor, Aufbereitungsraum, Eingriffsraum. Hier gelten erhöhte Anforderungen, die der Hygieneplan der Praxis konkret festlegt.
Wischen statt Sprühen
Sprühflaschen wirken praktisch, haben aber drei Nachteile: Das Mittel verteilt sich ungleichmäßig, die mechanische Reinigungswirkung fehlt, und ein Teil des Präparats landet als Aerosol in der Raumluft – und damit in den Atemwegen des Teams. Die KRINKO empfiehlt deshalb die Wischdesinfektion: Das Präparat wird mit einem Tuch unter leichtem Druck gleichmäßig auf der gesamten Fläche verteilt. Sprühen bleibt die Ausnahme für Stellen, die mit dem Tuch nicht erreichbar sind.
- Handschuhe anziehen – Desinfektionsmittel sind hautbelastend.
- Grobe Verschmutzung vorab entfernen.
- Tuch mit Gebrauchslösung tränken oder gebrauchsfertiges Tuch entnehmen.
- Fläche vollständig und überlappend wischen, Ecken und Kanten einbeziehen.
- Tuch nach der Fläche entsorgen – nie zurück in die Lösung tauchen.
- Fläche abtrocknen lassen, nicht nachwischen.
Konzentration und Einwirkzeit
Ein Desinfektionsmittel wirkt nur in der geprüften Konzentration und über die geprüfte Zeit. Beides steht auf dem Produkt und in der Desinfektionsmittel-Liste des Verbunds für Angewandte Hygiene (VAH), die für die Routine-Desinfektion in Praxen maßgeblich ist.
| Situation | Vorgehen | Wiederbenutzung |
|---|---|---|
| Routine-Wischdesinfektion | VAH-gelistetes Präparat, Herstellerkonzentration | sobald die Fläche sichtbar trocken ist |
| Gezielte Desinfektion nach Kontamination | Kontamination mit Tuch aufnehmen, dann desinfizieren | nach Ablauf der vollen Einwirkzeit |
| Ausbruch oder besondere Erreger | Präparat mit passendem Wirkspektrum (z. B. viruzid, sporizid) | nach Ablauf der vollen Einwirkzeit |
Bei Konzentraten gehört eine Dosierhilfe oder ein Dosiergerät dazu: „Ein Schuss ins Eimerwasser“ trifft die Konzentration nie. Gebrauchslösungen werden täglich frisch angesetzt, Eimer und Tücher nach Gebrauch aufbereitet.
Konzentrat oder gebrauchsfertige Tücher?
Konzentrate sind pro Quadratmeter deutlich günstiger und die richtige Wahl für die tägliche Flächendesinfektion durch das Reinigungsteam. Gebrauchsfertige Desinfektionstücher sind dosiersicher, sofort einsatzbereit und ideal für die schnelle Zwischendesinfektion von Liege, Blutdruckmanschette oder Bedienfeld zwischen zwei Patienten. In den meisten Praxen bewährt sich die Kombination: Konzentrat für die Fläche, Tücher am Point of Care.
Eine Fläche ist erst dann desinfiziert, wenn sie vollständig benetzt war – nicht, wenn sie nach Desinfektionsmittel riecht.
Materialverträglichkeit beachten
Alkoholische Präparate können Acrylglas, bestimmte Kunststoffe, Displays und Polster angreifen. Für Geräte mit Touchscreen, Ultraschallköpfe oder Liegenbezüge lohnt ein Blick in die Gebrauchsanweisung des Herstellers – oft wird dort ein alkoholfreies Präparat vorgegeben. Wer das ignoriert, riskiert Trübungen, Risse und im schlimmsten Fall den Garantieverlust teurer Geräte.
Der Reinigungs- und Desinfektionsplan
Damit die Flächendesinfektion nicht von der Tagesform einzelner Mitarbeitender abhängt, gehört ein schriftlicher Plan in jeden Hygieneplan. Er beantwortet für jede Fläche fünf Fragen:
- Was wird desinfiziert? (Fläche oder Gerät)
- Wann? (täglich, nach jedem Patienten, nach Kontamination)
- Womit? (Präparat, Konzentration, Einwirkzeit)
- Wie? (Wischen, Tuchwechsel, Schutzhandschuhe)
- Wer ist verantwortlich?
Der Plan hängt dort, wo gearbeitet wird – im Aufbereitungsraum, nicht im Ordner. Einmal jährlich wird er geprüft und das Team unterwiesen.
Typische Fehler im Praxisalltag
- Sprühen auf die Liege – ungleichmäßig und belastend für die Atemwege.
- Tuch zurück in den Eimer – die Lösung wird mit jedem Tauchgang stärker kontaminiert.
- Pi-mal-Daumen-Dosierung – zu niedrig wirkt nicht, zu hoch schadet Material und Haut.
- Nachwischen mit Wasser – verkürzt die Einwirkzeit und verdünnt das Präparat.
- Veraltete Gebrauchslösung – Lösungen vom Vortag gehören in den Ausguss.
Die passenden Konzentrate, Tücher, Dosierhilfen und Schutzhandschuhe finden Sie im Sortiment von Praxis Versorger. Gern beraten wir Sie, welche Kombination zu Ihren Räumen und Ihrem Patientenaufkommen passt.
Häufige Fragen
Die wichtigsten Antworten auf einen Blick.






